• Martin Schroer I D20sounds

Schlechte Stimmung bei der Spielsession vermeiden mit psychologischem Tricks.

Kennt ihr das auch, wenn ihr mit Bauchschmerzen zum nächsten Rollenspielabend kommt, weil ihr schon wisst, dass es ewige Regeldiskussionen, schlachtgelaunte Menschen und wenig Spaß geben wird?


Wem ist das nicht schon passiert, dass es in der Spielgruppe so richtig unrund läuft, irgendwann hat keiner mehr so richtig Bock und die - zu Beginn nette Gruppe - löst sich auf. Mann fängt wieder an zu suchen nach neuen Leuten, aber auch da ist nach einiger Zeit „alles doof“. So kann es immer weiter gehen, oder ihr ändert was. Ihr habt nämlich die Möglichkeit dazu etwas zu ändern. Der Trick liegt darin, dass man bei sich selbst anfängt. „Ja, aber es waren doch immer die anderen Schild!“ regt sich in deinem inneren eine Stimme des Widerstandes. Das kann ja sein (oder auch nicht), aber vielleicht denken die anderen genau so. Was man wissen muss ist folgendes. Wir beurteilen uns immer nach unseren Absichten, die anderen nach ihrem Verhalten und die machen jeder für sich das Gleiche.

Was hilft also? Zunächst hilft es nicht über Schuld oder Recht haben nachzudenken, sondern einfach selbst an sich zu arbeiten. Die anderen werden in vielen Fällen dann positive Verhaltensweisen übernehmen und dir Vertrauen schenken.

Vertrauen ist auch der größte Pluspunkt für eine gelungene Kommunikation, denn wir unterstellen dem anderen ebenfalls positive Absichten.

Ebenfalls wichtig ist es zu verstehen wie Kommunikation entsteht. Dabei helfen das 4 Ohren Model von Friedemann Schulz von Thun und das Eisbergmodel. Diese beiden möchte ich euch hier erklären und euch helfen sie zu nutzen, ihr könnt sie sowohl in der Spielgruppe als auch privat nutzen.


Das 4 Ohren Model: TOOL


Dieses Model geht davon aus, das eine einfache Nachricht 4 verschiedene „Seiten“ hat. Nehmen wir mal ein einfaches Beispiel:


Ihr sitzt im Wohnzimmer und sagt „Bier ist alle“


So kann dieser Satz z.B. bei eurem Partner ankommen.


Sachohr: Euer Partner versteht die Aussage als Sachaussage, also einfach die Übermittlung einer Information. Eine typische Antwort könnte sein: „Habe ich auch gerade gesehen!“


Aufforderungsohr: Euer Partner versteht dies als Aufforderung z.B. „Hol mir bitte ein Bier“ und bringt euch ein Bier oder sagt euch etwas wie: „Ich habe gerade keine Zeit, geh bitte selbst“ wenn es gut ausgeht. Die Antwort könnte auch einen etwas strafferen Verlauf haben, wie zum Beispiel: „Dann hol dir dein Sch..bier doch selbst“


Beziehungsohr: Euer Partner versteht in etwa folgendes: „Du hast schon wieder vergessen mir mein Lieblingsgetränk einzukaufen, du liebst mich nicht mehr!“ Und antwortet: „Und du hast gestern nicht den Rasen gemäht obwohl ich dich so darum gebeten habe.“


Selbstkundgabeohr: Hier versteht euer Partner so etwas wie „Ich bin durstig“ es geht als um eine Information zu eurer Befindlichkeit und kann dementsprechend reagieren.

Bisher haben wir nur darüber gesprochen was euer Partner versteht und noch gar nicht was ihr eigentlich senden wolltet. Wunderbar ist hier oft der Unterschied zwischen Männer und Frauen (zumindest wenn wir in ihren Klischeehaften Rollen denken). Der Mann macht die Sachaussage und wundert sich extrem über die Antwort die kommt weil seine Frau auf dem Beziehungsohr gehört hat.

Hier mal ein Bild von Wikipedia zum verdeutlichen


Quelle: (Wikipedia)

Zurück zu eurer Spielsession. Wenn man sich frisch kennenlernt ist die Kommunikation oft noch einfach. Nach den ersten „Enttäuschungen wird es sehr oft schwieriger“, da man schon gewohnt ist auf dem einen oder anderen Ohr zu hören.


Was nun hilft ist nachzufragen. Am besten sagt ihr einfach in euren Worten, was ihr verstanden habt. „Ich habe verstanden, dass du mein Verhalten echt doof findest und ich darüber ärgerst.“ Führt zu anderen Antworten als „Du findest mich eh doof“ - logischerweise. Auf diese Art kann der andere sein Gesicht bewahren und einfach seine Bemerkung noch mal anders ausdrücken. „Nein, ich finde das Verhalten deines Charakters doof, obwohl es super zu ihm passt“ (also eher ein Lob).


Das andere Problem was wir oft haben hat mit dem Eisbergmodel zu tun. TOOL


Dieses besagt, dass nur ein kleiner Anteil der Kommunikation tatsächlich auf den genutzten Worten beruht. (Der große Rest ist Tonfall und Körperhaltung, Mimik…) Menschen sind aufgrund ihrer Vergangenheit, sehr gut darin zu spüren ob es Dissonanzen zwischen dem Gesagten und dem Tonfall oder der Körperhaltung gibt oder etwa nicht. Das kann bedeuten, dass meine Spieler merken dass irgendwas nicht ok ist und unbewusst darauf reagieren. Wenn ich also einen schlechten Tag hatte und den Ärger aus dem Job mit zur Spielsession bringe. Kann dieses zu Missverständnissen führen. Dies ist der Grund warum ich das „Socializing“ am Anfang einer Spielrunde für sehr wichtig halte. Wenn ich weiss, dass jemand einen schlechten Tag hatte, kann ich seine Kommunikation darauf beziehen und nehme nicht an dass er sich über Geschehen am Tisch oder über mich ärgert. Es erklärt also sein Verhalten und sorgt oft Missverständnissen vor. Wenn ihr euch wirklich über jemanden aus der Runde ärgert ist es besser dieses einfach zu besprechen (manchmal in Ruhe etwas später, manchmal muss es sofort sein)

Was bringt mir dieses Wissen? Mir hat es gebracht, dass ich wesentlich mehr Verständnis für meine Gegenüber habe. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und Ärger kleiner die dafür sorgt dass wir weniger Spaß bei unserem Lieblingshobby haben.


28 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen