• Martin Schroer I D20sounds

Weniger Druck als Dungeon Master!


Also ich kenne das auch! Manchmal soll es einfach perfekt sein. Das Modul ist gut vorbereitet, NPCs sind angelegt und die Stimme ist geübt. Der Raum ist schon passt perfekt, nur nachher noch das Licht dimmen. Also steht einer fantastischen Gamingsession nichts mehr im Weg. Ihr merkt schon in euch die Vorfreude und auch die Spannung wie eure Spieler/innen mit den Probleme umgehen die ihr für sie vorbereitet habt und dann kommt der Spielabend, ihr beginnt mit dem Abenteuer und in eurem Gehirn ist Chaos. War jetzt der Endgegner in der Zitadelle oder im höchsten Turm der Burg… wie war das noch mal. Schweissperlen bilden sich auf eurer Stirn und das Gehirn liefert keine Informationen. MIST! Und jetzt?

Fast alle Menschen die ich kenne machen sich an der einen oder anderen Stelle das Leben selbst schwer und schaffen es nicht so gut abzuliefern wie sie es eigentlich könnten.

Psychologisch gesehen ist das einfach zu erklären mit zwei Theorien. Die erste in die Stresstheorie von Lazarus. Es geht hier ganz grob darum wie wir in unbekannten Situationen reagieren. Ein Beispiel: Ein ziemlich großer Hund läuft bellend auf euch zu. Wenn ihr euch mit Hunden auskennt könnt ihr ggf an seiner Körpersprache erkennen, dass er nur spielen will oder euch begrüssen möchte, es besteht also keine Gefahr (also auch kein Stress). Wenn ihr euch nicht mit Hunden auskennt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder traut ihr euch zu mit der Situation irgendwie fertig zu werden (also kein Stress) oder ihr fürchtet um euer Leben. In diesem Fall erhöht sich der Stresslevel. Dies ist eine sehr ursprüngliche Reaktion, die noch aus der Urzeit der Menschen kommt. Stress verursacht, dass die Extremitäten besser durchblutet werden und ihr besser fliehen könnt oder besser kämpfen könnt. Gleichzeitig wird die Durchblutung des Gehirns runtergefahren und das mit dem Denken wird schwerer.

Eine gewisse Menge an Stress ist ganz gut und erhöht unsere Leistungsfähigkeit (Yerkes-Dodson Gesetz) zu wenig Stress oder zu viel davon bewirken eine starke Abnahme der Leistungsfähigkeit.

Dies bedeutet nun, wenn ihr ein wenig Stress habt ist alles gut (übrigens sind auch eure Spieler besser aktiviert wenn sie etwas Stress haben). Wenn es zu viel wird fallen leider die Scheuklappen u.U. bis zum kompletten Shutdown des Systems, das heisst völlige Blockade.

Und jetzt?

Der eigene Anspruch:

Es ist toll ihn zu haben! Wenn ihr zum Perfektionismus neigt steigen jedoch die Chancen auf zu viel Stress. In einem derart komplexen System wie einer Rollenspielrunde kann man einfach nicht alle Fäden in der Hand haben, dafür gibt es einfach zu viele Handlungsmöglichkeiten für die Spieler/innen.

Was hilft also?

  1. Das Pareto Prinzip: (Ja, heute ist es viel Theorie). Dieses besagt, dass man mit 20% Aufwand eine Aufgabe bis zu etwa 80% perfekt erledigen kann. Um 100% Perfektion zu erreichen sind die restlichen 80% zur Erledigung ZUSÄTZLICH nötig. Also wenn ich nun an Vorbereitung denke schalte ich vor nicht zu perfektionistisch zu sein. Es kostet einfach unfassbar viel Zeit (und bringt deswegen auch schon eher mal Stress mit).

  2. Das Yerkes-Dodson Gesetz (Siehe oben). Versucht euch zu fordern aber nicht zu überfordern. Irgendwo um den optimalen Stresspunkt liegt die Flowzone. Das kennt ihr sicher schon. Im Flow seid ihr an den Abenden wo alles irgendwie geklappt hat. Tolle Spieler/innen, ihr selbst wart auch super und um 5:00 Uhr morgens fragt ihr euch verwundert wo die Zeit geblieben ist.

Was mache ich denn wenn ich merke dass ich gerade total gestresst bin?

Erstmal atmen: Körper und Geist beeinflussen sich gegenseitig. Dass heisst wenn ihr gestresst seid, steigt automatisch euer Puls und eure Atmung wird flacher. Wenn ihr an dieser Stelle gegensteuert und tief ein- und ausatmet (am besten mehrfach) gebt ihr eurem Gehirn das Signal dass alles in Ordnung ist und euer Stresslevel sinkt.

Zweitens das Tempo verringern: Niemand sagt dass wir uns beeilen müssen wenn wir spielen. Im Gegenteil! Wir sollen unser Hobby total geniessen dafür machen wir es doch, oder? Wenn ihr gestresst seid erhöht ihr automatisch das Tempo, wahrscheinlich steckt ihr sogar eure Spieler mit an, denn wir spüren oft unbewusst solche Dinge und werden selbst nervös.

Drittens Klarheit: Ihr könnt euch zum Beispiel einen kleinen Zettel an den Spielleiterschirm machen der euch daran erinnert warum ihr das macht oder dass ihr nicht zu schnell werdet. Er wird euch sicher nur eine kurze Weile begleiten, irgendwann ist es euch bewusst dass der Zettel an einer bestimmten Stelle war - auch wenn er es jetzt nicht mehr ist.

Viertens Teamgeist: Es ist wunderbar in einer Gruppe zu spielen. Meine Gruppe unterstützt mich an wirklich vielen Stellen. So schlägt zum Beispiel einer meiner Spieler oft Sachen nach die unklar sind, damit ich dies nicht tun muss und mich weiter auf das Leiten konzentrieren kann. Bittet eure Gruppe um Hilfe, oder sagt ihnen was mit euch los ist. Ehrlichkeit ist Vertrauen und eure Spieler werden euch mehr trauen wenn sie merken dass ihr dies auch tut. Ich habe es noch nie erlebt dass ich in so einem Moment eine doofe Antwort bekommen habe.

Wir sind alle nur Menschen, d.h. zum Glück nicht perfekt, sonst würde eine Schwangerschaft wahrscheinlich 45 Monate dauern ;-). Wenn wir uns beim Spiel als Menschen begegnen verlieren Fehler an Wichtigkeit und die gegenseitige Akzeptanz steigt.

Habt ihr Fragen oder Wünsche bezüglich der hier besprochenen Themen? Schreibt mir einfach an info@d20sounds.com. Auf meiner Website könnt ihr tolle Musik zum Spielen streamen. Ihr freue mich auf euch!


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